Luigi: Wer zu schnell ist, den bestraft das Leben   Leave a comment

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Stimmungsvoller Start

Am Samstag Abend war das ganze Team fröhlich, ob der sehr guten Position in der wir uns unerwartet befanden. Nur wenige Minuten trennten uns von den Top 10 und im ersten Umlauf hatten wir mit Platz 11 ganz oben angeklopft, alles besser als erwartet. Ich ging über den Platz und dachte an Jörg Sand, der mir mal erzählte, dass es bei der Silk Way in Russland einen Fahrer gab, der viel besser war als er und seine Gegner erwarteten. Er lief gut gelaunt durchs Lager und alle sagten: „Der zerlegt sich morgen oder übermorgen. Nicht weil er es nicht kann, sondern weil er mit dem großen Erfolgsdruck, der für ihn entstanden war, noch nicht umgehen konnte, weil er noch nie so weit vorn fuhr.“ Mein Gedanke war: „Genau in dieser Situation befinden wir uns. Das darf bitte nicht passieren.“

Am nächsten Morgen war`s vergessen – Rennfieber….. Die Techniker sagten, das Auto ist voll kampfbereit. Das wollte ich auch sein. Also sagte ich, wir greifen an. Wenn es passt sind wir sehr weit vorn am Ende. Schon auf dem Weg in die Stage versagte Iceys Fußschalter für den Trippmaster und raubte uns die gewohnten Abläufe. Wir versuchten uns zur Ruhe zu zwingen und starteten brachial in die Stage. Unsere Leute sagten, wir wären vorbeigedonnert, wie wenige andere. Wir waren schnell, bekamen aber keine Ruhe ins Auto, das Roadbook war nicht gut und Icey machte Fehler, ich machte Fehler, alles harmlos. Wir fanden keinen Rhythmus, die Stimmung war – vorsichtig gesagt – mies, obwohl wir schnell waren. Irgendwann fragte ich Icey: „Verdammt, wann ist diese blöde Stage endlich durch.“ Icey sagte mir, es wären noch 7 km. Also weiter Feuer, ab ins Ziel.

unter der Plane

Game over

Es kam, wie es kommen musste. DAS Roadbookbild kam…. Icey: „880 Meter gerade aus, rechts Büsche, keine Gefahren.“ Also Vollgas. Windungen des Weges bei so einem Bild erwarten wir immer, eine 90 Grad Kurve mit Wassergraben nicht. Und das Roadbookbild endete für uns mit meinen Worten auf Platz 8 liegend: „Das wird nichts !!!! Scheiße …. Waaasser !!!!“ Icey steuerte ein „Huch …. Mist !!“ bei. Mein einziger Gedanke im Flug war: „Du musst Icey heil rauskriegen, sonst wird nichts wieder gut.“ Ich bemühe ihn eigentlich nie, aber „Gott sei dank!“ , alles klappte, wie x-mal geübt. Icey kam sicher raus. So fühlt sich also echte Erleichterung an. Und als wir so pitschenass und mit Tränen in den Augen zum Ziel wanderten, ging mir Jörg Sand wieder durch den Kopf und ich dachte „Hat mir nichts genützt, dass ich seine Geschichte kannte. Lernen kann man nur durch eigene Erfahrungen. Man kann sie nicht kaufen.“

Ellen Lohr – eine erfolgreiche deutsche Rennfahrerin – schrieb uns auf Facebook „Lehrgeld“. Und als ich das las, fiel mir der zweite Lehrsatz der Rallye-Raid-Piloten wieder ein: „Erwarte das unerwartete.“ Icey und ich haben mit Abstand von drei Wochen nach dem Rennen viel geredet. Wir werden einiges anders machen, Dinge neu dazunehmen und noch härter an uns arbeiten. Damit ist unser zweiter Weltcup ausreichend, erklärt und besprochen. Besser werden kann es nur beim dritten.

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Veröffentlicht 4. September 2013 von Luigi in Luigis Offroad Circus

Icey: Siegfried-blaue Flecken   1 comment

Siegfried kaputtMit Tempo 130 hat unser Weltcup-Erlebnis geendet. Abrupt im ungarischen Wassergraben. Kopfüber bis über die Nase im Wasserloch zu stecken, verdreht die Sicht und raubt die Atemluft. Da hängst Du plötzlich verdreht im Gurt, Luigi aus der Tür und ein Luftreservoir suchend schnalle ich mich ab und lande – platsch – komplett im Feuchten. „Du hast Unterwasser geplappert“, wird mir Luigi später sagen. Erstmal krabbele ich in Richtung Licht, bis Luigis Hand mich aus der feuchten Cockpit-Höhle zieht. Alles noch dran, nichts passiert. Cool… Den Rest des Beitrags lesen »

Luigi: SILK WAY RALLYE – nicht für gecrashte Persönlichkeiten   3 comments

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Gechrashte Persönlichkeit, hier nach dem Ausscheiden in Russland 2012

Ich habe es mir nicht eingestanden, aber ich stand unter Schock. Unfälle hatte ich schon des öfteren. Da heißt es, schütteln aufstehen und weiterfahren oder eben nicht. In der Regel weißt Du aber schon vorm Knall, warum es gleich knallen wird. Und auf Spezialisten, die sagen: „Wenn Du nicht weggegangen wärst vor der Kurve, wäre ich Dir reingeballert, egal ob du vorn warst oder nicht.“, bist du ja eh vorbereitet. Da kann man klüger sein und nachgeben.

Aber wenn Dir auf einer engen Motocrossstrecke mitten im Rennen ein Bergefahrzeug entgegenkommt, dann knallt das nicht nur in den SIEGfried rein, sondern auch in Dein Rennfahrer-Urvertrauen, welches da sagte: „Es kommt keiner entgegen. Das ist ja ein Rennen.“ Und danach immer wieder die Bilder im Kopf: Gerade – Kuppe – Flug – Landung – Aufprall. Unser SIEGfried ist mittlerweile wieder auferstanden und dank Volker und Matze, sogar noch besser als je zuvor. Mit SIEGfried kam auch meine Freude am Racen wieder. Mit Icey sitzen wir wieder im Auto und suchen unsere Routine – links Drift – rechts Drift – Sprung – Landung – weiter. Diese kommt langsam wieder zurück.

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Entchrashte Persönlichkeit, hier vor der nächsten SILK WAY RALLYE

Aber irgendetwas merkwürdiges fährt mit. Es ist Wehmut. Wehmut, weil unser gesamtes SILK WAY Budget (über 15T€) in die Reparatur geflossen sind. Wir fanden niemanden, der uns so kurzfristig nach Russland sponsort und unsere eigenen Restmittel haben nicht gereicht. Diesmal scheiden wir nicht IN Russland wegen eines in Deutschland reingebastelten Schadens aus. Diesmal können wir nicht hinfahren, weil wir VOR Russland einen Schaden in Deutschland reingebastelt bekamen. Das ist bitter, zum zweiten Mal unschuldig jeder Chance beraubt…… In wenigen Tagen werden unsere Mitstreiter wieder über die Rampe am Kremel rollen. Ich würde am liebsten mit Icey und dem Team hinfliegen, so habe ich Sehnsucht nach Russland, den Menschen, der Rallye, aber vor allem weil wir uns beweisen wollen, dass unsere TOP 20 Position nach Kontrollpunkt 1 an Tag 1 kein Zufall war ….. nur noch 12 Monate und 2 Wochen …. dann kommt zum Glück die nächste SILK WAY.

Veröffentlicht 19. Juni 2013 von Luigi in Luigis Offroad Circus

Icey: Totgeglaubte leben länger   Leave a comment

Der Patient heißt nun Siegfried.

Der Patient heißt nun Siegfried.

An diesem verregneten Rennwochenende war eigentlich ich der Grippe-Patient – aufs Sofa verbannt – aber Siegfried sollte es viel härter treffen. Einmal vom Bergungsfahrzeug geküsst, brachte das unseren Mercedes direkt auf die Intensivstation. Diagnose: knapp am Knochenbruch vorbei mit zahlreichen inneren Verletzungen. Rahmen eingedrückt, Rad vorn links Schiefstand, Kühler arsch, Lenkung arsch, Klima, Spur… knapp am Motorschaden vorbei… Es sah nicht gut aus. Sollte es das gewesen sein?

Die Wochen gingen ins Land. Als Zaungäste wohnten wir dem für uns so wichtigen Race in Havelte und der Baja 300 Mitteldeutschland bei. Die Silk Way? Ach… Sparen war angesagt.

Mitte Mai begann die große Operation. Alle vertrauten Doktor Volkers Mechaniker-Fachwissen. Besorgte Tage des Wartens, tägliche hoffnungsvolle Erfolgsmeldungen. Der Rahmen neu gezogen, Kühlung neu gesetzt, Spurstange, Lenkungspumpe, Lenkungsstange. Und der Motor? „Kann ich noch nicht sagen“, Volkers Diagnosen ließen uns im Unklaren. Zwei Wochen lang, dann ein Anruf.

Er ist wieder da!

Er ist wieder da!

„Ich hab deinen Helm eingepackt und hol Dich gleich ab. Probefahrt, Icey, Probefahrt!“ Huch… Da stand er, Mercedes hatte die Motorhaube und den Kothflügel zum Glänzen gebracht. Ping. WRRRROMMMM. Das altvertraute Geräusch, neue Gerüche. Siegfried… Mit Herzklopfen starteten wir die erste Probefahrt. So lange war es her, so lange…

Alles bleibt anders. Wer nach einer langen Reise wieder nach Hause kommt, kennt das Gefühl, das ich hatte. Wenn Herz und Bauch tief zufrieden sind und dem Kopf einfach die Worte fehlen. Wenn ein „Volker? Danke!“ schon alles sagt. Dann glaubst Du an das Genie Deines Mechanikers und daran, dass Totgeglaubte wirklich länger leben.

Wir sind wieder da!!!

Veröffentlicht 16. Juni 2013 von Icey in Iceys Offroad Circus

Luci: Ich habe nicht die leiseste Ahnung …..   Leave a comment

Luci Lucius .....

Luci Lucius …..um es gleich vorweg zu nehmen..

Ich habe nicht die leiseste Ahnung von der Rennfahrerei. Warum ich Euer Blog trotzdem von Anfang an verfolge? Ganz einfach: Ich habe großen Respekt vor Eurem Vorhaben, das Ihr gegen alle Widrigkeiten verteidigt. Angefangen mit einem total verdreckten Auto. Allein die Bilder aus Rottleben lassen mich zum virtuellen Schwamm greifen. Würde ich mich da jemals ‚rein setzen? Nur unter Androhung von Strafe. Andererseits, so sicher durch den Schlamm zu brausen, ist eine durchaus reizvolle Idee.

Dann die Sache mit den Namen. Wieso bekommen Eure Autos Namen? Fahren sie sich mit persönlicher Ansprache besser, schneller, …? Oh, und sagt mir jetzt nicht, dass sich die Karre leichter aus dem Dreck ziehen lässt, wenn man sie „anspricht“. Dass Ihr abwechselnd über das gleiche Thema schreibt, finde ich ausgesprochen ansprechend. So muss sich ein Psychologe bei der Paartherapie fühlen: Erst beide Seiten hören bzw. lesen und sich somit einen Gesamteindruck verschaffen. Am besten gefällt mir jedoch der sportliche Aspekt, um nicht zu sagen, die spielerische Seite. Schafft Ihr es wirklich, in 15 Minuten solche Texte zu produzieren? Das fände ich recht ungewöhnlich, doch ich könnte mir vorstellen, welche Perspektive sich damit nach dem Ausstieg aus dem Rennfahrerzirkus für Euch eröffnet.

SIEGfried bekommt sein peeling

SIEGfried im Erd-Rausch

Wie fühlt es sich eigentlich an, Icey, wenn man stundenlang in voller Montur und mit einem schweren (?) Helm durch die Botanik oder, noch schlimmer, durch Sandwüsten düst? Verrutscht da nicht die Frisur? Keine Lust auf eine frische Dusche, während Ihr Unmengen von Staub aufwirbelt? Keine Angst vor platten Haaren, Luigi? Das finde ich mindestens genau so mutig, wie ungewollt im Graben zu landen, durch die unbekannte Walachei zu gondeln oder auf dem Roten Platz zu landen (nein, ich glaube, es war der Start). Was aber ist schön daran, zu bibbern, ob das Auto rechtzeitig aus der Werkstatt kommt, den Papierkrempel abzuarbeiten, auf das Gewicht des Autos zu achten (vom eigenen ‚mal ganz abgesehen), mit überhitztem Kühler in der Steppe zu stehen oder andere ausgewählte Katastrophen zu erleben? Für die Antwort auf diese Frage, brauche ich mir nur die schönen Fotos von Euch im Blog anzusehen. Ihr strahlt darauf genau das aus, was kein Wort, kein Satz in Gänze zu vermitteln vermag: unbändige Freude an einem Sport, von dem ich keine Ahnung habe. In diesem Sinne: Viel Erfolg im nächsten Rennen und liebe Grüße Luci

(Ich habe Luci, eine gute Freundin aus Abiturzeiten, gebeten einen Gastblog hier zu schreiben. Und ich hatte ihn mir für schwere Zeiten aufgehoben. Und die Zeiten sind schwer, weil wir schon wieder nicht fahren können. Darüber wird auch noch ausführlich berichtet werden. Jedenfalls ist heute ein schwerer Tag, weil wir nicht in Holland antreten können und damit fast alle Chancen auf eine Medaille in den Tulpenfeldern untergehen ….. aber nur fast… wir kämpfen bald wieder weiter … das sind wir Luci schon schuldig … die glaubt auch an uns.  Text: Luigi)

Veröffentlicht 18. April 2013 von Luigi in Uncategorized

Iceys Bericht vom Sofa zu Rottleben: Ritt auf der Schmierseife   2 comments

Siegfried wühlt den Acker auf.

Siegfried wühlt den Acker auf.

Ach, du dicke Matschepampe. In Rottleben rottete sich am 6. April die Offroad-Szene zur großen Deutschen Schlammschlacht zusammen. Vom tagelangen Regen und getautem Schnee aufgeweicht und schmierig versprach der Kurs von vornherein spannende Kämpfe beim ersten GORM-Lauf des Jahres. Mit Eis und Ingwer bewaffnet, durfte ich das Gematsche unter der heimischen Bettdecke hockend verfolgen – mal eine ungewohnte Perspektive.

Während ich mit sauberen Fingern Fotos von erdfarben gesprenkelten Boliden im Netz verteilte, wühlten sich Bine und Ingo durch den Ackerboden und das sich immer mehr lichtende Teilnehmerfeld. Bine dürfte sich mit ihrer Trophy-Erfahrung ja fast zu Hause fühlen. Ingo hatte wohl kaum Zeit, sich über sein Befinden klar zu werden. Die zwölf Kilometer lange Strecke lag matschig, aufgeweicht und immer zerfahrener vor ihm – Stunden hoher Konzentration, schmerzender Schultern und marternder Anstrengung.

Navigatorin Bine

Navigatorin Bine

Bines Premiere
Der Prolog lief ganz okay: Premiere für Bine und Ingo. Mal gucken, wie der andere so tickt. 12.04.59 Minuten waren eine solide Rundenzeit, um sich an den neuen Partner und die Strecke heranzutasten. Siegfried spielte mit. Ganz anders als Mike Schütte und Maik Schlacht, die zunächst mit einer Reifenpanne kämpften.

Aufstellung: erste Reihe mit Ralf Berlit zusammen. Siegfried startete gegen 15 Uhr gut in den ersten Wertungslauf. Als zweite hingen sie sich direkt an Berlit heran, verloren aber noch in der ersten Runde den Anschluss. Schlechte Sicht, technische Schwierigkeiten ließen sie kurzzeitig ins Mittelfeld abfallen. Doch während immer mehr Wettkämpfer auf der Strecke blieben, kämpften sich Bine und Ingo wieder nach vorn.

Siegfried nicht fröhlich

Siegfried nicht fröhlich

Materialschlacht
Knapp zwei Stunden nach dem Startschuss musste Berlit wegen Motorschaden aufgeben. Er hatte das Feld mit einem mehrere Kilometer weiten Vorsprung hinter sich gelassen. Bine und Ingo lieferten sich mit Bernd Jäger im VW Bully einen Zweikampf. Siegfried schnaufte erhitzt, hielt aber durch. Dennoch glich das Rennen wieder einer Materialschlacht. Technische Ausfälle und immer wieder fuhren sich Teilnehmer fest. Hinter einem Hang rutschten Bine und Ingo einem fast ins Heck. Puhhhh.

In zwei Wochen ist das nächste Rennen der Holländischen Meisterschaft.   Aber kommt erst mal nach Hause, Jungs…

Luigi: Lang anhaltende Freude – ein Blogg für Praktikus   1 comment

NK ORR Ijmuiden - Beach race 2013

Icey und Luigi mit Siegerpokalen

Nun ist Frühlingsanfang und wir haben unser erstes Rennwochenende hinter uns. Dies allein sorgt bei mir schon für Verblüffung. Ein Auto kann also zum Termin fertig sein und nicht erst 3 Monate später, um hernach dennoch zum Totalausfall zu werden. Es ist sogar der selbe SIEGfried, der uns in Russland unter Schmerzen zusammen und uns allen das Herz brach. Auch im Herbst machte er nur wenig Freude. ZICKfried , der Name war schon fast ausgemachte Sache.

Volker

Fahrer, Copilotin und Chefmechaniker

Jedoch seit letztem Wochenende ist alles anders. Ihr wisst ja gar nicht, wie cool das ist, wenn man ängstlich auf die Motortemperatur schaut und feststellen darf: „Kein Problem!“ oder wie es ist, so lange Vollgas zu fahren, bis die Strecke zum Bremsen zwingt und nicht die Geräusche aus dem Motorraum zur Vorsicht mahnen und man freiwillig vom Gas geht. Das ist jetzt vorbei !! Yeahh !!

SIEGfried war im Winter beim Doc. Der hat was drauf und heißt Volker Lang von der Firma Praktikus GaLaBau Inh. Matthias Beyer aus Schwerin. Viele viele Stunden nahm er  ihn auseinander. Ich konnte mir nicht immer vorstellen, dass dies alles wieder ein Auto werden könnte. Es brauchte auch noch viele neue Teile, um dem SIEGfried wieder das SIEGen beizubringen. Also dieser Blogg hier gehört den Praktikus Jungs und wir wollen DANKE sagen. Top-Job, so kann das was werden.

P.S.: Sonntag haben wir gewonnen mit bissi Glück und guter Fahrerei, Samstag … da war auch was, hab ich aber vergessen …