Archiv für September 2013

Luigi: Wer zu schnell ist, den bestraft das Leben   Leave a comment

IMGL0403

Stimmungsvoller Start

Am Samstag Abend war das ganze Team fröhlich, ob der sehr guten Position in der wir uns unerwartet befanden. Nur wenige Minuten trennten uns von den Top 10 und im ersten Umlauf hatten wir mit Platz 11 ganz oben angeklopft, alles besser als erwartet. Ich ging über den Platz und dachte an Jörg Sand, der mir mal erzählte, dass es bei der Silk Way in Russland einen Fahrer gab, der viel besser war als er und seine Gegner erwarteten. Er lief gut gelaunt durchs Lager und alle sagten: „Der zerlegt sich morgen oder übermorgen. Nicht weil er es nicht kann, sondern weil er mit dem großen Erfolgsdruck, der für ihn entstanden war, noch nicht umgehen konnte, weil er noch nie so weit vorn fuhr.“ Mein Gedanke war: „Genau in dieser Situation befinden wir uns. Das darf bitte nicht passieren.“

Am nächsten Morgen war`s vergessen – Rennfieber….. Die Techniker sagten, das Auto ist voll kampfbereit. Das wollte ich auch sein. Also sagte ich, wir greifen an. Wenn es passt sind wir sehr weit vorn am Ende. Schon auf dem Weg in die Stage versagte Iceys Fußschalter für den Trippmaster und raubte uns die gewohnten Abläufe. Wir versuchten uns zur Ruhe zu zwingen und starteten brachial in die Stage. Unsere Leute sagten, wir wären vorbeigedonnert, wie wenige andere. Wir waren schnell, bekamen aber keine Ruhe ins Auto, das Roadbook war nicht gut und Icey machte Fehler, ich machte Fehler, alles harmlos. Wir fanden keinen Rhythmus, die Stimmung war – vorsichtig gesagt – mies, obwohl wir schnell waren. Irgendwann fragte ich Icey: „Verdammt, wann ist diese blöde Stage endlich durch.“ Icey sagte mir, es wären noch 7 km. Also weiter Feuer, ab ins Ziel.

unter der Plane

Game over

Es kam, wie es kommen musste. DAS Roadbookbild kam…. Icey: „880 Meter gerade aus, rechts Büsche, keine Gefahren.“ Also Vollgas. Windungen des Weges bei so einem Bild erwarten wir immer, eine 90 Grad Kurve mit Wassergraben nicht. Und das Roadbookbild endete für uns mit meinen Worten auf Platz 8 liegend: „Das wird nichts !!!! Scheiße …. Waaasser !!!!“ Icey steuerte ein „Huch …. Mist !!“ bei. Mein einziger Gedanke im Flug war: „Du musst Icey heil rauskriegen, sonst wird nichts wieder gut.“ Ich bemühe ihn eigentlich nie, aber „Gott sei dank!“ , alles klappte, wie x-mal geübt. Icey kam sicher raus. So fühlt sich also echte Erleichterung an. Und als wir so pitschenass und mit Tränen in den Augen zum Ziel wanderten, ging mir Jörg Sand wieder durch den Kopf und ich dachte „Hat mir nichts genützt, dass ich seine Geschichte kannte. Lernen kann man nur durch eigene Erfahrungen. Man kann sie nicht kaufen.“

Ellen Lohr – eine erfolgreiche deutsche Rennfahrerin – schrieb uns auf Facebook „Lehrgeld“. Und als ich das las, fiel mir der zweite Lehrsatz der Rallye-Raid-Piloten wieder ein: „Erwarte das unerwartete.“ Icey und ich haben mit Abstand von drei Wochen nach dem Rennen viel geredet. Wir werden einiges anders machen, Dinge neu dazunehmen und noch härter an uns arbeiten. Damit ist unser zweiter Weltcup ausreichend, erklärt und besprochen. Besser werden kann es nur beim dritten.

Advertisements

Veröffentlicht 4. September 2013 von Luigi in Luigis Offroad Circus